Histoire de l'ascension du Mont Blanc

    Geschichte der Mont-Blanc-Besteigung

    Veröffentlicht am 2. Mai 2026 · Aktualisiert am 19. Juli 2026

    Geschrieben von Victor MichelGeschichtsbegeisterter und leidenschaftlicher Alpinist, wohnhaft in Chamonix

    Die Geschichte des Mont Blanc ist untrennbar mit der Geburt des Alpinismus verbunden. Bevor er zum sportlichen Gipfel wurde, war er ein wissenschaftliches, geografisches und philosophisches Objekt. Seine Besteigung 1786 durch Jacques Balmat und Michel-Gabriel Paccard markiert einen entscheidenden Wendepunkt der Alpingeschichte.

    Chronik

    Das menschliche Epos und die Entwicklung der Ausrüstung, 1741–2026

    1741

    Die frühe Erkundung: Windham, Pococke und der Alpenstock

    Die englischen Reisenden William Windham und Richard Pococke wagen sich ins Tal von Chamonix vor, das damals als wilde, gefürchtete Gegend galt – „die verfluchten Berge". Sie erkunden den Gletscher, den sie „ La Mer de Glace " taufen. Ihr in London veröffentlichter Bericht löst eine Welle europäischer Neugier für diesen Winkel der Alpen aus.

    Hochgebirgsausrüstung existiert noch nicht. Windham und Pococke bewegen sich in Stadtkleidung – Dreispitzhüte, schwere Mäntel aus grobem Wollstoff – bewaffnet mit Alpenstöcken: lange, über zwei Meter lange Stäbe aus Esche oder Haselnuss mit einer groben, geschmiedeten Eisenspitze. Ihre glatten Lederstiefel rutschen auf blankem Eis.

    1760

    Die wissenschaftliche Herausforderung von Horace-Bénédict de Saussure

    Der junge Genfer Wissenschaftler Horace-Bénédict de Saussure reist fasziniert vom Mont Blanc nach Chamonix. Er erkennt, dass dessen Besteigung bedeutende physikalische und barometrische Theorien bestätigen würde, und setzt eine Geldprämie für denjenigen aus, der einen gangbaren Weg zum Gipfel findet.

    Sechsundzwanzig Jahre lang scheitern die Versuche. Die Ausrüstung ist das Haupthindernis: keine Möglichkeit, sich im blanken Eis zu verankern, und die klirrende Kälte oberhalb von 4.000 m lähmt Körper, deren Kleidung Feuchtigkeit aufnimmt und fast augenblicklich gefriert.

    8. August 1786

    Die Erstbesteigung: Balmats Wagemut und Paccards Genie

    Der Bergkristallsucher Jacques Balmat und der Arzt Michel-Gabriel Paccard zerschlagen den Mythos der Unbezwingbarkeit, als sie der Überlieferung nach gegen 18:23 Uhr den Gipfel erreichen. Paccard nimmt dort barometrische Druckmessungen vor.

    Es ist reine Handwerkskunst: Ihre Lederschuhe wurden vom Hufschmied von Chamonix einzeln genagelt, um im Eis Halt zu finden. Sie tragen übereinandergezogene Flanellwesten, Mäntel aus Bonneville-Tuch und mit Ruß geschwärzte Brillen gegen Schneeblindheit. Paccard trägt sein schweres Glasbarometer mit ausgestrecktem Arm. Weder Seil noch Haken: Alles hängt vom Gleichgewicht auf dem Alpenstock ab.

    1787

    Saussures wissenschaftliche Expedition und die ersten Leitern

    Saussure verwirklicht endlich seinen Traum, begleitet von Jacques Balmat und einer Karawane von Bergführern. Es ist das erste Mal, dass eine derart aufwendige Logistik eingesetzt wird, um die Gletscherspalten des Bossons-Gletschers zu überqueren.

    Die Bergführer tragen schwere Leitern aus Tannenholz, Zelte aus dickem Segeltuch, Feldbetten und Kohleöfen auf dem Rücken. Der Vorläufer der Expeditionslogistik ist geboren.

    1808

    Marie Paradis, die erste Frau auf dem Gipfel

    Marie Paradis wird die erste Frau, die den Gipfel des Mont Blanc erreicht – weitgehend getragen und unterstützt von den Bergführern ihrer Seilschaft, ein Unterschied, den die Geschichte im Vergleich zur eigenständigen Besteigung von Henriette d'Angeville dreißig Jahre später festhalten wird.

    1818

    Die Schmiede Grivel in Courmayeur: die Anfänge des alpinen Werkzeugs

    Auf der italienischen Seite des Massivs lässt sich die Familie Grivel, Schmiede Walser Herkunft, in Courmayeur nieder und eröffnet die Werkstatt, die als „Le Forge" bekannt bleibt. Zunächst auf landwirtschaftliches Gerät ausgerichtet, bedient die Schmiede bereits in den folgenden Jahrzehnten eine neue Nachfrage: die der Bergführer und der ersten wohlhabenden Touristen, die zur Gipfelbesteigung anreisen.

    Dies ist die Geburtsstunde der Marke Grivel, die Eisenspitzen und Schneidwerkzeuge nach und nach an die Bedürfnisse des Hochgebirges anpasst und zu einem der Gründungsnamen in der Geschichte des Steigeisens wird.

    1820–1821

    Das Hamel-Drama und die Hanffalle: die Geburt der Compagnie des Guides

    Die Expedition des russischen Arztes Hamel endet in einer Tragödie unterhalb des Grand Plateau: Eine Lawine reißt die Seilschaft mit. Drei Bergführer aus Chamonix – Pierre Balmat, Pierre Carrier und Auguste Tairraz – werden verschüttet und sterben. Als Reaktion darauf gründet das Tal 1821 die Compagnie des Guides de Chamonix, um Rettungseinsätze zu organisieren und die Familien zu schützen.

    Dieses Drama offenbart auch die Schwächen der damaligen Seile. Aus Hanf gefertigt und schwer, saugen sie sich mit Wasser voll und gefrieren zu eisenharten, völlig unelastischen Stangen. Bei einem Sturz reibt das Hanfseil am scharfkantigen Eis, reißt oder bricht durch den statischen Stoß abrupt.

    1838

    Henriette d'Angeville und die Last der Kleidungstraditionen

    Henriette d'Angeville wird die erste Frau, die den Mont Blanc aus eigener Kraft besteigt. Die gesellschaftliche Stellung der Frau ihrer Zeit zwingt ihr strenge Kleidungsvorschriften auf: ein schwerer, mit schottischer Wolle gefütterter Hosenrock, dicke Flanell-Unterwäsche und ein pelzbesetzter Umhang – eine komplette Ausrüstung von nahezu 7 kg, eine erhebliche Last für die Anstrengung in der Höhe.

    1870

    Die Schmiede Simond lässt sich in Chamonix nieder

    Adolphe Simond, Neffe des Schmieds Auguste Simond, gründet seine erste Werkstatt am Ufer der Arve, in Chamonix, am Fuß des Mont Blanc. 1871 schmiedet er dort seinen ersten Eispickel – die Verschmelzung von Alpenstock und Eisbeil zu einem Stahlkopf mit Schaufel und Haue.

    Seine Brüder François und Michel schließen sich ihm 1883 an und machen die Marke mit Unterstützung des berühmten englischen Alpinisten Edward Whymper international bekannt. 1890 verfeinert François Simond, selbst Bergführer, die „Piolette" und gibt ihr ihre bis heute klassische Form. Simond beginnt außerdem, einfache Haken und Karabiner zu schmieden, und verschafft den Alpinisten des Massivs damit endlich echte technische Eigenständigkeit.

    1861

    Die Eröffnung der Goûter-Route: der moderne Alpinismus nimmt Gestalt an

    Leslie Stephen und Francis Fox Tuckett eröffnen die Route über die Aiguille du Goûter und den Bossesgrat – die heutige Normalroute des Goûter. Diese Besteigung etabliert den Simond-Eispickel und den systematischen Einsatz des Seils in der Seilschaft, um den Aufstieg auf den schmalen Graten zu sichern.

    1890

    Die Vallot-Herausforderung: Ingenieurskunst oberhalb von 4.000 Metern

    Der Wissenschaftler Joseph Vallot lässt das nach ihm benannte Observatorium errichten. Tonnenweise wissenschaftliches Material und Holzbalken werden auf dem Rücken hinaufgetragen. Dort entstehen die ersten Beobachtungen über das Verhalten von Metall, Holz und Ausrüstung bei extremer Kälte des Massivs.

    1908–1909

    Die Erfindung des modernen Steigeisens: Eckenstein und Grivel

    Der englische Ingenieur Oscar Eckenstein entwirft 1908 ein gelenkiges Zehnzacken-Steigeisen und überträgt dessen Fertigung aus geschmiedetem Stahl an Henry Grivel aus Courmayeur. Es ist eine absolute Revolution für das Massiv: Vor dieser Erfindung erforderte der Aufstieg über den Bossesgrat oder die Mur de la Côte das Schlagen tausender Stufen mit dem Eispickel – eine zermürbende Arbeit, die Stunden dauerte.

    Mit dem Zehnzacken-Steigeisen von Grivel gehen Alpinisten nun endlich direkt auf dem Eis. Die Aufstiegszeit halbiert sich, die Sicherheit vervielfacht sich.

    Ende der 1920er–1930er Jahre

    Härtestahl, Frontalzacken und die Erschließung der Normalwände

    Laurent Grivel, Sohn von Henry, fügt dem traditionellen Steigeisen zwei nach vorn geneigte Zacken hinzu. Alpinisten können nun steile Hänge im „Frontalzacken"-Stil angehen, ohne die erschöpfenden Stunden des Stufenschlagens. Simond wiederum verbessert die Festigkeit seiner Karabiner durch leichtere Stahllegierungen.

    Die Textilien bleiben jedoch der Schwachpunkt des Systems: Man klettert noch immer in dicken Wollpullovern, steifen Gabardine-Jacken oder schweren Daunenjacken, die sich im Schnee mit Wasser vollsaugen.

    1964

    Die Textilrevolution und die Bewegungsfreiheit: Cimalp

    Bis Anfang der 1960er Jahre bleibt der Mont-Blanc-Alpinist steif eingepackt. Der Kälte wird mit dicken Schichten aus Wolle und geöltem oder gewachstem Baumwollstoff begegnet – schweres Material, das unter Frost hart wird und die Bewegungsfreiheit fast vollständig opfert: das Bein hoch heben, um einen Schritt zu überwinden, den Eispickel mit erhobenem Arm setzen – alles wird zum Kampf gegen die Kleidung ebenso wie gegen den Berg.

    1964 gründet Paul Sailler, Alpinist und Unternehmer aus dem Isère, die Marke Cimalp in Saint-Marcel-lès-Valence, in der Drôme. Gemeinsam mit den Spinnereien von Nemours entwickelt er die ersten speziell für den Alpinismus konzipierten Stretchhosen – ein technischer Durchbruch, der es endlich erlaubt, die Bewegung zu begleiten statt sie zu bremsen.

    In den 1970er Jahren erzielen die Stretch-Cord-Knickerbocker von Cimalp bemerkenswerten kommerziellen Erfolg bei französischen Bergführern und Alpinisten. 1991 wird die Marke von der Manufacture Drômoise de Confection übernommen und positioniert sich schrittweise auf Trailrunning- und Wanderausrüstung neu — ihr heutiger Schwerpunkt. 2012 entwickelt sie die patentierte Ultrashell-Membran, eine Wasserdichtigkeits-Atmungsaktivitäts-Technologie, die heute in ihren Trail- und Wanderjacken zum Einsatz kommt.

    1970er–1980er Jahre

    Die Ankunft des dynamischen Nylons und der Béal-Seile

    Hanf wird endgültig verbannt. Die 1976 in Saint-Julien-Molin-Molette, in der Loire, gegründete Marke Béal trägt maßgeblich zur Verbreitung von Bergseilen aus Nylon mit Kern-Mantel-Struktur bei. Diese sogenannten „dynamischen" Seile dehnen sich, um die kinetische Energie eines Sturzes zu absorbieren.

    Am Dôme du Goûter wie andernorts wird ein Sturz in eine Gletscherspalte nun durch die Elastizität des Seils abgefedert, die sowohl den Kletterer als auch die Sicherungspunkte der Seilschaft schützt – genau das Gegenteil der tödlichen Starrheit des gefrorenen Hanfs ein Jahrhundert zuvor.

    2013

    Die Ära des „Fast and Light" und der Rekord von Kilian Jornet

    Am 11. Juli 2013 verlässt der Athlet Kilian Jornet um 4:46 Uhr morgens die Kirche von Chamonix und pulverisiert den Rekord für den Gipfel-Hin- und Rückweg am Mont Blanc: insgesamt 4h57min40s, davon 3h33 im Aufstieg und 1h24 im Abstieg.

    Diese Leistung krönt die ultimative Entwicklung der Ausrüstung: den absoluten Minimalismus. Die schwere Ausrüstung von einst weicht hybriden Trailrunning-Schuhen mit Mikro-Stahlzacken, ultraleichten Eispickeln aus Carbon und Titan mit kaum 200 g Gewicht sowie atmungsaktiven, kompressiblen technischen Schichten, die das Laufen auf 4.000 m Höhe ermöglichen.

    2019 bis heute

    Die Regulierung per Präfekturerlass und die Ausrüstung als Rechtsvorschrift

    Angesichts der Überfüllung und von Versuchen mit offensichtlich ungeeigneter Ausrüstung veröffentlicht die Präfektur von Haute-Savoie im Mai 2019 einen Erlass zur Regulierung der Normalroute. Seither ist der mehrtägige Zugang über Tête Rousse, die Aiguille du Goûter und den Bossesgrat nur mit einer bestätigten Hüttenreservierung möglich, und unter der Bedingung einer individuellen und kollektiven Ausrüstung, die den von den Bergprofis definierten Standards entspricht.

    Die PGHM und die „brigade blanche\" von Saint-Gervais führen entlang der Route Kontrollen durch. Zum ersten Mal in der Geschichte des Massivs fällt technische Ausrüstung in den Anwendungsbereich der Zugangsregulierung — ein beispielloses gesetzgeberisches Kapitel, das ebenso dem Schutz von Leben wie der Bewahrung des Gipfels dient.

    Quellen:

    Wikipédia — Cimalp Wikipédia — Grivel Wikipédia — Oscar Eckenstein Wikipédia — Kílian Jornet

    Historische Persönlichkeiten

    Témoignage historique de l'ascension du Mont Blanc
    Crevasses et séracs d'un glacier du massif
    Voie d'ascension du Mont Blanc
    Refuge de haute montagne au crépuscule
    Entraînement et préparation alpinisme
    Matériel d'alpinisme : piolet, crampons, baudrier, corde